
Was für eine Überraschung! 40 Pädagog:innen und Uta Stolz in China gratulieren dem Team von LEA Education: Drei Jahre und 15 Einführungsworkshops KTC Kollegiales Team Coaching® online werden gefeiert. Fasziniert von ihrem eigenen Erleben hat Uta Stolz diese kraftvolle Methodik in die Mitte der von ihr entwickelten Spiralpädagogik plaziert.
China bietet uns Europäern manch großartige Überraschung. Nicht nur das wohlbekömmliche Essen und die funktionierende Infrastruktur, sondern auch die unzähligen Rosenbüsche, die Peking vom Flughafen an durch die steinernen Wüsten säumen, lassen unser Herz höher schlagen.
Chengdu, ebenfalls eine Millionenstadt, möchte sogar Parkstadt werden und dort umrankt Grün fast jeden Brückenpfeiler, jedes bisschen Raum wird für leuchtende Blumenanlagen oder auch Urban Gardening genutzt. Um das Gärtnern der inneren Art, um ein neuen Wirkungsrum des KTC Kollegiales Team Coaching®, soll es im Folgenden gehen.
Enorme Leistungsorientierung
Meine Arbeit als Dozentin und Entwicklungsbegleiterin hat mich im Mai diesen Jahres zum zweiten Mal nach China geführt. Um zur Erneuerung der Waldorfpädagogik beizutragen, habe ich dafür den Kurs Spiralpädagogik, Spiral Education, ins Leben gerufen. In den letzten Jahrzehnten hatte sich dort ein großes Interesse an alternativer Pädagogik entwickelt, der Tatsache geschuldet, dass sich die enorme Leistungsorientierung an den öffentlichen Schulen für viele Kinder nicht nur belastend, sondern gesundheitsschädlich auswirken kann.
Zurück zur kulturellen Identität
Waldorfpädagog:innen aus dem Westen sind der Einladung gern gefolgt und es sind wunderbare Orte entstanden, an denen Kunst und Musisches ebenso einen Raum haben wie der wachsame Blick auf gesundes Lernen. Allerdings wurde dabei bisweilen althergebrachte Lehrerzentriertheit ebenso exportiert wie das Festhalten an curricularen Richtlinien.
Im Zusammenklang mit der chinesischen aktuellen Lehrkultur, in der es keine Partizipation gibt, ist dadurch mancherorts eine schwierige Situation entstanden: Mittlerweile müssen die strengen staatlichen Anforderungen zum Beispiel der aufwändigen Alphabetisierung – 15 neue Schriftzeichen pro Woche – absolviert werden, andererseits werden innerhalb der Waldorfpädagogik ebenfalls Stimmen laut, die nicht nur nach größerer eigener kulturellen Identität rufen, sondern auch von allgemeinen westlichen Erkenntnissen zu Lernen und Entwicklung profitieren wollen.
Denken, Empfinden, Handeln
Spiralpädagogik ist ein Kursformat, das kulturunabhängig die Teilnehmenden auf eine Reise mitnimmt, auf der sie zunächst mit ihren eigenen persönlichen Wurzeln und Leitbildern in Kontakt kommen. Nach dem Eintauchen in diese Polarität wird das Feld, innerhalb dessen Lernen und Entwicklung geschieht, immer weiter aufgefächert:
Die drei kräftigen Zugangswege zum Lernen – das Denktor, das Empfindungstor und das Handlungstor – werden ebenso beleuchtet wie die unsere vier inneren Schätze, die Delors im Rahmen des Lebenslange Lernens 1996 im Rahmen einer UNESCO-Untersuchung zu Tage gefördert hat: Das Lernen zu tun, zusammenzuleben, zu können und wissen und nicht zuletzt das Lernen zu sein.
Alle „Zutaten“ erleben die Teilnehmenden über kreative Formate des Embodiments, durch Verweilmomente in der Natur und Kultur und beispielsweise Empathie-Walks. Das Ziel am Ende sind ko-kreative Unterrichtsentwürfe, Alters- und Fächerübergreifend in Gruppen zu einem einzigen Lerngegenstand, in diesem Fall „Schuhe“.
Herzstück KTC Kollegiales Team Coaching®
In der Vorbereitung wurde mir klar, dass dieser fünftägige Kurs ein Herzstück braucht, das alles bündelt und impulsiert, das genau da ansetzt, woraus gute Unterrichtsqualität fließt: aus der gegenseitigen Bezogenheit. So habe ich meinem Kurs in der Mitte der Tage ein Herz eingepflanzt: das KTC, wie es Wilfried Schley entwickelt hat und wie ich es im Rahmen der LEA Education unter der beseelenden Leitung von Katharina Wyss-Schley kennengelernt habe.
Am Dienstag also sammelt sich schnell eine Gruppe von fünf Lernerinnen, um vor den anderen fast 40 mit mir und meiner begnadeten Übersetzerin Vicky das KTC exemplarisch einzuüben. Das Übersetzen sprengte etwas den Zeitrahmen und auch das innere und äußere Lauschen waren für mich so anstrengend, dass ich prompt einen Prozessfehler machte.
Am Mittwoch fanden sich nun sieben Gruppen zusammen mit mutigen Akteurinnen und beherzten Moderator:innen. Noch trennt mich die Sprachbarriere von Wahrnehmungen, wie ich sie in den Sprachen empfangen kann, die ich spreche. Gleichzeitig konnte ich auf diese Weise das Loslassen üben.
Tiefe durch KTC-Praxis
Über die Tiefe der Wirkung, die lebendige Anstrengung der Coaches und die Tragfähigkeit der Anregungen staunten viele und fühlten sich beschenkt. Gleichzeitig überzeugte die praktische Anwendbarkeit. Über die Tatsache, dass an den Schulen so viel gesprochen wird und etliche Probleme dennoch ungelöst bleiben, machte sich Erstaunen breit. Den Verantwortlichen empfahl ich, dass diejenigen, die den Ansatz der Spiralpädagogik vertiefen wollen, mehr KTC-Zeiten einplanen.
Mir wurde deutlich, dass die Formulierungen, um den Schlüsselsatz anzubahnen, der Chinesischen Sprach- und Denkkultur angepasst werden sollten. Darüber werde ich mich mit Vicky austauschen, damit sich die chinesische Seele wohlig angesprochen fühlt.
Mehr zum KTC Kollegiales Team Coaching® ist zu erfahren im Praxisbuch „Führen mit Präsenz und Empathie – Schöpferische Neugestaltung von Schule und Unterricht“ Schley/Schratz, BELTZ 2023, 2. Auflage. // KTC-Einführungsworkshops gibt es auf Anfrage bei LEA Education > Kontakt

