RealLabor Leipzig: Dialogort #Bildungs-Revolution

 

„Eine Demokratie, die Sinn macht, braucht eine Sprache, die den Raum größer macht.“ (Düzen Tekkal)

Der Menschrechtsaktivistin und Journalistin Düzen Tekkal begegne ich auf dem PxP-Festival kurz vor der Eröffnung des RealLabor Leipzig. Es war ein intimer Moment. Eine lange Minute. Ein Gespräch fast ohne Worte. Geprägt von tiefer Dankbarkeit und Hochachtung vor ihrem Wirken, Ihrer radikal klaren Sprache und wertschätzenden Haltung.

Diese Kultur der Begegnung, den Raum für Unterstützung, guten Streit und Innovation wünsche ich dem Real-Labor Leipzig vom ganzen Herzen. Am 8. Juli mit viel Publikum eröffnet, ist der Boden bereitet als Prototyp eines Dialogorts. Für wen? Alle Beteiligten und Gestalter:innen von Bildungsorten und Bildungslandschaften werden hier wirken und in die Welt hinaus strahlen. Politiker:innen und Zukunftsgestalter:innen aus den Kultusministerien sind willkommen.

Wie alles begann?

Zwei Geschichten verweben sich zu einer. Leolo, Schüler eines Leipziger Gymnasiums, schrieb 2022 aus seiner inneren Not heraus einen Brief. Kurz danach wird dieser öffentlich in der Schule ausgehängt. Mehr und mehr Jugendliche packen aus und machen sich Luft, wie (schlecht) es ihnen eigentlich in der Schule geht. Was Schule mit ihnen wirklich macht. Margret Rasfeld, zur selben Zeit als Gastrednerin in dieses Gymnasium eingeladen, liest die erschütternden Briefe die in den Fluren hängen – inzwischen sind es 70 Briefe.

Zeitlich fast parallel trifft Bildungsinnovatorin Margret Rasfeld auf Aktionskünstlerin und Gastdozentin Ute Puder. Auch ihre Schüler:innen erzählten von Mutlosigkeit, Selbstverletzung und Depressionen. Jetzt geht es um TATEN, nicht mehr ums reden – sind sich Margret und Ute beim ersten Zusammentreffen einig – und laden kurzerhand die Briefschreiber:innen ein. Margrets Wohnzimmer im Mai 2022: Gründung der 11 Rebell:innen, mit dem Ziel die Friedliche Bildungs-Revolution einzuleiten und einen Begegnungs- und Transformations-Ort in der Stadtmitte zu schaffen. So wie es vor der Friedlichen Revolution 1989 zum Beispiel die Nikolaikirche war.

Erste Aktion der 11 Rebell:innen im August ´22: Das ebenerdige Stadtbüro im Rathaus ist wenig besucht. Könnte dies nicht der Ort werden? Mit Transparenten wird dies gefordert! Mit Megaphonen werden die Briefe vor dem Rathaus verlesen. Presse begleitet die Aktion. Zweite Aktion: Konzert am 8. Oktober ´22 vor der berühmten Thomaskirche, Bachs Wirkungsstätte. Musiker:innen, junge und ältere Redner:innen, Gäste aus Politik und Gesellschaft und das zahlreiche Publikum fordern einen Ort für das Real-Labor zur Friedlichen Bildungs-Revolution.

Am 8. Juli 2023: RealLabor im Brühl 48 in Leipzigs Innenstadt: Eröffnungsfeier mit Freund:innen, Gästen und Unterstützer:innen. Das Real-Labor ist jetzt bundesweit der einzige konkrete Ort, an dem sich über die Grenzen Deutschlands hinaus Menschen aller Altersgruppen, Schüler:innen, Eltern, Politiker, Bildungsexperten, Wirtschaftsvertreter und Medienschaffende treffen und Konzepte entwickeln und diskutieren. Jugendliche Gruppen vernetzen sich hier, Vertreter:innen des Sächsischen Ministerium für Kultus (SMK) ließen sich inspirieren und kommen im Oktober ´23 wieder. Unternehmer:innen treffen sich hier, um über Solidargemeinschaften und Finanzierung von Bildungs-Innovation ins Gespräch zu kommen.

Ziel ist es jetzt, Akteur:innen für den Wandel zu vernetzen und gemeinsam aktiv daran mitzuwirken, dass Sachsen zum ersten Bildungs-Bundesland wird, welches mit einem echten Paradigmenwechsel im Bildungssystem eine Vorreiterrolle einnimmt. Für mich als gebürtige Leipzigerin ist die Verwirklichung dieser Idee von Margret Rasfeld und Ute Puder ein doppelt großes Geschenk. Möge diese Initiative ein Prototyp für viele weitere Real-Labore werden. Eine Initiative in Dresden hat sich dafür bereits gegründet. Lasst Euch hier ermutigen, stärken, vernetzen und kommt gemeinsam ins Machen!  reallabor-leipzig.de

Text: Katharina Wyss-Schley


Fotos © Ute Puder, RealLabor Leipzig